Womit vergleichen?

Die Annahme, die deutsche Gesellschaft befinde sich im Umbruch, schließt zwei Vergleichsperspektiven ein:

  • Historisch wird die Gegenwart mit einer modellhaft stilisierten Vergangenheit („Modell Deutschland“, „Fordismus“) verglichen, um die Dynamik des Wandels zu verstehen. In Ostdeutschland beherrscht diese historische Vergleichsperspektive  – „vor“ und „nach der Wende“ - das gesellschaftliche Bewusstsein.
  • Die modellhafte Verdichtung des sozioökonomischen Entwicklungszusammenhangs erleichtert es, die Bundesrepublik und andere Länder in der gegenwärtigen Umbruchsphase „synchron“ zu vergleichen.

Nicht alle Elemente sozioökonomischer Entwicklung lassen sich untereinander beliebig kombinieren. Das Produktions- und Sozialmodell eines Landes entwickelt sich auf einem spezifischen - nationalstaatlichen - Entwicklungspfad, der nicht einfach verlassen werden kann. Daher koexistieren in der EU eine Vielzahl solcher Modelle, und ob sie tatsächlich zu einem „europäischen Sozialmodell“ konvergieren, ist eine offene Frage. Ostdeutschland befindet sich in einer doppelten Umbruchsituation: Die Transformation durch Beitritt erfolgte zu einem Zeitpunkt, in dem das (west-)deutsche Modell sich bereits selbst im Umbruch befand.