Bessere Daten – bessere Politik?

Die sozioökonomische Berichterstattung soll zugleich zur gesellschaftlichen Selbstaufklärung und zur Politikberatung beitragen. Die politikberatende Funktion unabhängiger wissenschaftlicher Beobachtung kann allerdings nicht darin bestehen, unmittelbar Empfehlungen abzugeben und Wirkungen politischer Maßnahmen zu kontrollieren. „Bessere Daten“ führen nicht automatisch zu „besserer Politik“. Wissenschaftsgestützte Berichterstattung kann nicht so kurzfristig sicheres Wissen verfügbar machen, wie es für rational begründete politische Programme erforderlich wäre. Befunde der Berichterstattung können aber politische Interventionsbedarfe anzeigen, d.h. Probleme und Herausforderungen für politische Gestaltung identifizieren und so die Gestaltung politischer Agenden beeinflussen. Damit sie so genutzt werden, muss der Forschungsverbund Diskurse und programmatische Leitvorstellungen aus dem politischen Raum aufgreifen und seine Befunde auf politische Fragestellungen beziehen.

Sozioökonomische Berichterstattung benötigt normative Bewertungsmaßstäbe für ein komplexes System aus ökonomischen und sozialen Zielen. Da Bewertungskriterien nicht nur wissenschaftlich geeignet, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert sein müssen, gehört die kritische Auseinandersetzung mit der Programmatik der Europäischen Union zur „Modernisierung und Verbesserung des europäischen Sozialmodells“ und mit Nachhaltigkeitsstrategien zu den Aufgaben des Forschungsverbunds. Leitkonzept ist dabei gesellschaftliche Teilhabe in ihren verschiedenen Formen: durch Arbeit, durch soziale Nahbeziehungen, durch bürgerliche, politische und soziale Rechte sowie durch Bildung und Kultur. Die Berichterstattung soll die Frage beantworten, ob die Gesellschaft im Umbruch „alle mitnimmt“ oder ob Gruppen auf der Strecke bleiben.