Diskussionsrunde 3: Veränderungen des Erwerbslebens

Ist die Arbeitswelt eher Schauplatz des Umbruchs oder eher ein Ort der Kontinuität? Ein Zugang zu dieser Frage ist es, nach den Bedingungen zu fragen, unter denen Beschäftigte früher und heute arbeite(te)n: Wie entwickelten sich Beschäftigungsstabilität, wie Umfang und Schwankungen von Arbeitszeit und Lohnhöhe? Wie veränderten sich Arbeitswelten auf einer stofflichen, arbeitsinhaltlichen Ebene? Wie verändert sich Arbeitslosigkeit, bezüglich ihrer Dauer und ihrer Rahmenbedingungen? Bewegen sich unterschiedliche Gruppen von Beschäftigten am Arbeitsmarkt in zunehmenden unterschiedlichen und ungleichen ‚Arbeitslebenswelten‘, je nach innerbetrieblichem Segment und nach Branche?

Ein anderer Zugang ist der der soziologischen Lebenslaufforschung mit ihrer längsschnittlichen Perspektive: Wann und wie oft geschehen bestimmte Übergänge in individuellen Erwerbskarrieren? Wie unterscheiden sich Erwerbsverläufe mit Blick auf ihre Dauer zwischen den Phasen der (Aus-)Bildung und des Altersruhestands? Sind beobachtete Unterschiede das Resultat individuell selbstbestimmter Lebensführung oder durch strukturelle Einflüsse zu erklären, und wenn ja, welche?

Dass sich das deutsche Beschäftigungssystem seit der Periode des Fordismus gewandelt hat, lässt sich u.a. aufgrund der Zunahme weiblicher Erwerbstätigkeit und der Ausdifferenzierung von Vertragsformen kaum bestreiten –auch wenn bis heute zwischen den Geschlechtern am Arbeitsmarkt Unterschiede bestehen und das Normalarbeitsverhältnis nach wie vor eine dominante Stellung einnimmt. Ob aber Beschäftigte heute wirklich flexibler sein müssen, wer seine Erwerbsteilnahme heute Präferenzen und Bedarfen in anderen Lebensbereichen anpassen kann, wie gut Personen ihre Übergänge zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit gestalten können, und ob wir es eher mit Unterschieden zwischen Individuen zu tun haben oder mit Unterschieden zwischen Gruppen am Arbeitsmarkt, das sind Fragen, die in dieser dritten Diskussionsrunde diskutiert werden sollen.

  • Erwerbsverläufe in Kennzahlen. Oder: Auf der Suche nach dem ‚Land vor unserer Zeit‘ (Dr. René Lehweß-Litzmann, Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI))
  • Trends in der Arbeitszeitentwicklung - Befunde im Kontext der Debatten über einen Normalarbeitszeitstandard (Dr. Alexandra Wagner/ Dr. Peter Sopp, Forschungsteam internationaler Arbeitsmarkt (FIA))
  • Umbruch der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Kontinuität der statistischen Indikatoren – umso schlimmer für die Tatsachen? (Prof. Dr. Matthias Knuth, Universität Duisburg-Essen)
Vorträge Diskussionsrunde 3
Lehweß-Litzmann, René: Erwerbsverläufe in Kennzahlen Oder: Die Suche nach dem ‚Land vor unserer Zeit‘. PDF
Sopp, Peter/ Wagner, Alexandra: Trends in der Arbeitszeitentwicklung - Befunde im Kontext der Debatten über einen Normalarbeitszeitstandard. PDF
Knuth, Matthias: Umbruch der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Kontinuität der statistischen Indikatoren – umso schlimmer für die Tatsachen? PDF