Panel 4: Wechselwirkungen und Zusammenhänge schichtspezifischen und nachhalti-gen Konsums

Ein Paradox des nachhaltigen Konsums ist, dass Arme ist in der Regel nachhaltiger konsumieren als wohlhabende Personen, obwohl sie seltener zu Bio-Produkten greifen. Die schiere Menge an konsumierten Gütern macht, dass Personen höherer Einkommensgruppen in der Regel einen größeren ‚ökologischen Fußabdruck‘ haben. Es kann sein, dass nachhaltiger Konsum im Sinne einer bewussten Entscheidung nicht allen Schichten gleichermaßen offen steht, und dass in nachhaltigem Konsum somit ein weiteres Feld neuer sozialer Ungleichheit zu sehen ist. Von Stoffströmen her gesehen ist es allerdings gleichgültig, mit welchem Grad an ökologischem Bewusstsein konsumiert wird. Gleichwohl ist ein zwangsweiser ökologischer Armutskonsum nicht nachhaltig im Sinne von Dauerhaftigkeit: es ist im Gegenteil damit zu rechnen, dass Arme – wie dies die Entwicklungsländer auf der globalen politischen Ebene einfordern – Nachholbedarf geltend machen. Eine Reduzierung von Armut könnte zu einer Ausweitung nicht nachhaltigen Konsums führen. Gleichzeitig ist Ungleichheit aber auch selbst ein Treiber nicht-nachhaltigen Konsums: Es wird argumentiert, dass soziale Ungleichheit das Bedürfnis nach Statusgütern überhaupt erst auslöst, die einen bedeutenden Anteil an nachgefragten Produkten ausmachen. Wenn das Streben nach Anerkennung aber ein Motor des Konsums ist, so ist es auch ein Treiber von Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung. In einer Gesellschaft materiell tendenziell gleicher gestellter Personen würde Statuswettbewerb – der vielleicht unvermeidlich ist – auf anderem Wege ausgetragen als durch den Kauf von Automobilen und Flugreisen. Die Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen schichtspezifischem und nachhaltigem Konsum stehen im Mittelpunkt des vierten Panels. Dies soll auch dazu beitragen, dass Verständnis der Begriffe zu schärfen.

 

Vorträge

  • Prof. Dr. Klaus Kraemer (Universität Graz): Kann prekärer Wohlstand nachhaltig sein?
  • Dr. Melanie Jaeger-Erben (Technische Universität Berlin): Zwischen Können, Wollen und Wissen: Nachhaltiger Konsum und alltägliche soziale Praxis
Folien
Kraemer, Klaus: Kann prekärer Wohlstand nachhaltig sein? PDF