Kapitel 17: Konsumentwicklung bis 2030 nach Haushaltstypen und Szenarien

Einkommensunterschiede zwischen verschiedenen Haushaltsgruppen bestehen weiter fort

Loreto Bieritz, Thomas Drosdowski, Britta Stöver, Ines Thobe und Marc Ingo Wolter  

Die Autoren kommen durch ihre Analysen zu der Kernbotschaft, dass die Einkommensunterschiede zwischen verschiedenen Haushaltsgruppen in Deutschland zukünftig weiter fortbestehen. Zudem führen sie zu ungleichen Entwicklungen im Konsum.

Die Arbeitnehmerhaushalte erhöhen aufgrund günstiger Lohnentwicklung ihren relativen Abstand zu Nichterwerbstätigenhaushalten, während die Selbstständigenhaushalte angesichts schwächer zunehmender Vermögens-und Gewinneinkommen etwas zurückfallen. Gleichzeitig zementieren sich die Ungleichheiten zwischen Ein-und Zweipersonenhaushalten, die aufgrund des demografischen Wandels an Bedeutung gewinnen, und Familienhaushalten. Die steigende Anzahl der Ruheständlerhaushalte beansprucht bis 2030 immer größere Anteile der gesamten Einnahmen und Ausgaben für sich und prägt damit die Konsumstruktur, die sich dadurch immer weiter hin zu Dienstleistungen verschiebt. Szenarienergebnisse zeigen insbesondere, dass eine ökologisch nachhaltigere Konsumweise Wachstum, Beschäftigung und die Teilhabemöglichkeiten verbessern kann. Außerdem verursacht eine Verteuerung der Nahrungsmittelpreise steigende Einkommens-und Konsumdisparitäten und wirkt zudem wachstumshemmend. Mieterhöhungen führen schließlich zu einem eingeschränkten Konsum soziokulturell teilhaberelevanter Güter und führen zu größeren Ungleichheiten zwischen Besitzern und Nichtbesitzern von Wohneigentum.

Das Kapitel steht unter diesem Link als online-first Version zum Download bereit.

 

Arbeitspaket 15: Konsumentwicklung bis 2030 nach Haushaltstypen und Szenarien

Arbeitspaket 15 „Konsumentwicklung bis 2030 nach Haushaltstypen und Szenarien“ (Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS)) setzt für die mikrofundierten Analysen der nachfolgenden Arbeitspakete einen makroökonomischen Rahmen. Die Analyse der Einkommensentstehung und -verwendung des Sektors privater Haushalte der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) von 1991 bis zum aktuellen Rand, differenziert nach Einkommensarten, Konsumverwendungszwecken und sozioökonomischen Haushaltstypen, ermöglicht Aussagen über die gesamtwirtschaftlichen Effekte des Konsumhandelns und veränderter Konsummuster. Während das in Arbeitspaket 1 eingeführte Basisszenario der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die hier detailliert dargestellten Konsumstrukturen bis 2030 fortschreibt, sollen hier unter Nutzung des GWS-Modellverbunds zwei kontrastierende Alternativszenarien modelliert werden, für die zwei neue Haushaltstypen ins Modell eingeführt werden:

  • Das Szenario „Nachhaltiger Konsum“ unterstellt, dass ein wachsender Teil der Haushalte sich aufgrund ihrer Kaufkraft über einen nachhaltigen Lebensstil definieren und bewusst für Güter und Dienstleistungen entscheiden kann, die diesem Anspruch genügen.
  • Das Szenario „Armutskonsum“ nimmt dagegen eine wachsende Zahl armer Haushalte an, deren Konsummuster von Budgetrestriktionen insbesondere bei Dienstleistungen, beschränkten Auswahlmöglichkeiten und an niedrigen Preisen orientierten Konsumentscheidungen geprägt wird.

Für die Modellierung wird angenommen, dass zwischen 2010 und 2030 immer mehr Haushalte aus den im Referenzlauf ermittelten Haushaltstypen in einen der beiden neuen Haushaltstypen wechseln. Berücksichtigt werden auch Entwicklungen insbesondere der Preisstrukturen auf der Anbieterseite. Die Szenarien können zeigen, welche gesamtwirtschaftlichen Effekte die Zunahme jedes der beiden alternativen Konsummuster hätte, wie dies die Konsumchancen anderer Haushaltstypen beeinflussen würde und welche Auswirkungen dies auf die wichtigsten Handelspartner Deutschlands hätte. Die Konsummuster für die beiden zu modellierenden Haushaltstypen sind im Projektverlauf in Zusammenarbeit mit den anderen Arbeitspaketen der Abteilung 5 zu definieren; für das erste Szenario werden auch Ergebnisse des Themenschwerpunkts „Vom Wissen zum Handeln – Neue Wege zum nachhaltigen Konsum“ im Rahmen der vom BMBF geförderten Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) genutzt.

BearbeiterInnen des Arbeitspakets

Dr. Thomas Drosdowski (GWS), Anke Mönnig (GWS), Britta Stöver (GWS), Ines Thobe (GWS) und Dr. Marc Ingo Wolter (GWS)

 
Ergebnisse
Bieritz, Loreto/Stöver, Britta (2016): Auswirkungen von Mieterhöhungen auf die Konsumstruktur verschiedener Haushaltstypen. PDF
Drosdowski, Thomas/ Stöver, Britta/ Ritter, Tobias (2016): Consumption of the poor in Germany: projecting the development until 2030. PDF
Stöver, Britta (2014): Socioeconomic consumption modelling in an input-output model. Vortrag im Rahmen der International Input-Output Conference (IIOA) am 14.-18.07.2014 in Lissabon. PDF
Poster
Poster 17: Einkommen, Konsum und Sparen: Haushaltstypen, Projektion und Szenarien. PDF