Kapitel 20: Armutskonsum: Ernährungsarmut, Schulden und digitale Teilhabe.

Armutskonsum schränkt gesellschaftliche Teilhabe ein und belastet die betroffenen Personen und Haushalte

Sabine Pfeiffer und Tobias Ritter

Die Autoren kommen durch ihre Analysen zu der Kernbotschaft, dass Armutskonsum gesellschaftliche Teilhabe einschränkt:

Unter den Bedingungen von Einkommensarmut zeichnet sich Armutskonsum durch eine zunehmende Einschränkung von Konsummöglichkeiten aus, betroffenen Haushalten gelingt es immer weniger, konsumvermittelt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dies zeigt sich etwa in eingeschränkten Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten bei digitalen Medien. Auch die Sicherung physiologischer Grundbedürfnisse ist gefährdet, subjektive Strategien im Umgang mit Ernährungsarmut stoßen teilweise an ihre Grenzen. Armutskonsum geht darüber hinaus häufig einher mit zunehmender Verschuldung, die im Hilfebezug kaum abzubauen ist und die betroffenen Personen und Haushalte stark belastet.

Das Kapitel steht unter diesem Link als Online first Version zum Download bereit.

 

Arbeitspaket 17: Armutskonsum, Ernährungsarmut und alimentäre Teilhabe

Arbeitspaket 17 „Armutskonsum, Ernährungsarmut und alimentäre Teilhabe“ (Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF)) untersucht das gegenwärtige Vorkommen von Bedingungen für Ernährungsarmut in Deutschland. Ernährungsarmut wird hier als Einschränkung alimentärer Teilhabe bestimmt, die über existenzielle Reproduktionsbedürfnisse hinaus auch die Fähigkeit zu sozialer Teilhabe über soziale Nahbeziehungen und Aktivitäten umfasst. Ziel der Untersuchung ist die systematische Erfassung von Formen von Ernährungsarmut auf der individuellen Ebene und der Haushaltsebene sowie der sozialstrukturellen, institutionellen Bedingungen und der Erwerbs- und Haushaltskonstellationen, die Ernährungsarmut begründen (können). Erfasst werden sollen darüber hinaus Bewältigungsstrategien (Coping) und -ressourcen, über die Akteure in unterschiedlichem Maße verfügen. Dazu sind quantitative und qualitative Analysen vorgesehen.

Subjektive Deutungen sowie Bewältigungsstrategien und -perspek­tiven der Betroffenen sollen durch inhaltsanalytische Auswertungen des qualitativen Längsschnittpanels „Armutsdynamik und Arbeitsmarkt“ ermittelt und typisiert werden, dessen Nutzung auch für AP 12 vorgesehen ist. Schließlich wird über die Auswertung einschlägiger Studien die Angebotsseite von Armutskonsum – Einzelhandel und Gastronomie, „Tafeln“ etc., Schatten- und Eigenarbeit – zumindest ansatzweise in den Blick genommen. Als quantitative Datengrundlage kommen die Nationalen Verzehrstudien I und II, die Konsumitems des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) und des Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung (PASS) in Betracht. Die Untersuchung soll prekäre Ernährungsmuster identifizieren und Defizite der bestehenden Datenlage kenntlich machen.

BearbeiterInnen des Arbeitspakets

Elke Oestreicher (ISF), Prof. Dr. Sabine Pfeiffer (ISF) und Dipl.-Soz.Tobias Ritter (ISF)

 
Ergebnisse
Drosdowski, Thomas/ Stöver, Britta/ Ritter, Tobias (2016): Consumption of the poor in Germany: projecting the development until 2030 PDF
Pfeiffer, Sabine (2015): Hidden, and neglected: Food Poverty in the Global North. Paper presented on 2nd International Congress “Hidden Hunger: Hidden Hunger, Childhood Development and Long-term Prospects for Society and Economy”, 03.-06.03.2015 in Stuttgart. PDF
Pfeiffer, Sabine/ Ritter, Tobias/ Oestreicher, Elke (2014): Ernährungsarmut und alimentäre Teilhabe. Vortrag im Rahmen des soeb-Werkstattgesprächs „Konsum und Nachhaltigkeit in der Sozioökonomischen Berichterstattung“ am 02./03.06.2014 in Göttingen PDF
Poster
Poster 20: Armutskonsum: Ernährungsarmut, Schulden und digitale Teilhabe. PDF