Kapitel 11: Betriebliche Beschäftigungssysteme und ungleiche Erwerbschancen

Olaf Struck, Matthias Dütsch

Die Autoren kommen durch ihre Analysen zu dem Ergebnis, dass Segmentierung im Beschäftigungssystem fortbesteht:

  • Die Möglichkeiten der Erwerbsteilhabe sind durch individuelle Qualifikationsprofile, betriebliche Anforderungsprofile und die daraus resultierenden betrieblichen Beschäftigungsstrategien strukturiert.
  • Mit Blick auf das Beschäftigungssystem sind anhaltende Segmentierungen hinsichtlich der Einkommens- und Erwerbschancen beobachtbar.
  • Offene Beschäftigungssysteme, deren Bedeutung auch nach dem Jahr 2000 noch leicht gestiegen ist, sind voraussetzungsvoll, da die entsprechenden Individuen stetig (Weiter-)Qualifizierungen vollziehen und ihre beruflichen Qualifikationen erhalten müssen. 

Das Kapitel steht unter diesem Link als Online-First Version zum Download bereit.

 

Arbeitspaket 7: Erwerbsverläufe und betriebliche Beschäftigungssysteme

Gegenstand von Arbeitspaket 7 „Erwerbsverläufe und betriebliche Beschäftigungssysteme“ (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) sind Effekte betrieblich generierter Arbeitsmarktsegmentierungen. Wie in vorausgegangenen Untersuchungen gezeigt, operieren Betriebe für jeweils unterschiedliche Organisationseinheiten und Mitarbeitergruppen mit unterschiedlichen Beschäftigungssystemen. Diese unterscheiden sich insbesondere durch die Dauer von Beschäftigungsverhältnissen und den Grad der Öffnung gegenüber externen Arbeitsmärkten sowie dadurch, wie die Verfügbarkeit anforderungsgerechter Qualifikationen quantitativ und qualitativ sichergestellt wird. Dabei entstehen insbesondere durch die Ausweitung offener Beschäftigungssysteme und externer Arbeitsmärkte Risiken für Beschäftigte, Betriebe und soziale Sicherungssysteme:

  • Für Beschäftigte sind instabile und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse riskant, in denen geringe Handlungsspielräume, ein hoher Grad an Standardisierung und einfacher Routine etc. eine qualifikatorische Entwicklung verhindern.
  • Für Betriebe entstehen mittelfristig Verfügbarkeitsprobleme, auf qualifiziertes Personal zurückgreifen zu können, die durch die demografische Entwicklung verstärkt werden.
  • Aus gesellschaftlicher Sicht ergeben sich steigende Kosten für das soziale Sicherungssystem.

Im Arbeitspaket sollen insbesondere Effekte betrieblicher Arbeits- und Beschäftigungssysteme auf individuelle Erwerbsverläufe untersucht werden: Wie weit geht zunehmende Ungleichheit von Arbeits- und Lebensbedingungen auf Heterogenität zwischen Betrieben oder auf innerbetriebliche Segmentation zurück?

Wechselwirkungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebermerkmalen werden auf der Grundlage des Längsschnittmodells des LIAB des IAB analysiert. Um das „qualitative Verfügbarkeitsproblem“ in betrieblichen Beschäftigungssystemen modellieren zu können, werden zunächst anhand der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 Berufe nach Spezifität, fachübergreifendem Qualifikationsprofil und Standardisierungsgrad klassifiziert, um anschließend mittels der Berufsangaben für die Betriebe im LIAB Anteilswerte einfacher bzw. standardisierter sowie komplexer beruflicher Tätigkeiten und betriebs- bzw. berufsspezifischer sowie allgemeiner beruflicher Anforderungsprofile zu bestimmen. Zudem werden die LIAB-Daten um regionale Indikatoren (Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung in Deutschland und Europa [INKAR]) erweitert.

In Abstimmung insbesondere mit Arbeitspaket 5 werden stabile und instabile individuelle Erwerbsverläufe charakterisiert und betriebliche Beschäftigungssysteme nach soziodemografischen und erwerbsbiografischen Merkmalen der Beschäftigten beschrieben. Einflüsse der individuellen sowie betriebsstrukturellen Determinanten auf die Verweildauern im Betrieb bzw. auf innerbetriebliche Auf- und Abstiege werden mit multivariaten Verfahren (semiparametrische Cox-Modelle) geschätzt. Für jene Beschäftigtengruppen, die aus Betrieben austreten, wird gleichfalls mittels multivariater Verfahren geschätzt, welche Bedeutung Beschäftigungsstrukturen und arbeitspolitische Strategien der ehemals Arbeit gebenden Betriebe auf den weiteren Erwerbsverlauf, etwa auf überbetriebliche Auf- und Abstiege oder auf Phasen von Anschlussarbeitslosigkeit haben.

Bearbeiter des Arbeitspakets

Prof. Dr. Olaf Struck (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) und Dr. Matthias Dütsch (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

 
Ergebnisse
Dütsch, Matthias/ Struck, Olaf: Employment trajectories in Germany: do firm characteristics, regional disparities and the business cycle matter? Vortrag auf der 36th Annual Conference of the International Working Party on Labour Market Segmentation am 22./24.06.2015 in Athen. PDF
Dütsch, Matthias/ Struck, Olaf: Die Bedeutung von betrieblichen Beschäftigungssystemen für Erwerbsteilhabe. Vortrag auf dem zweiten soeb-Werkstattgespräch am 04./05.12.2014 in Göttingen. PDF
Struck, Olaf (2104): Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarkt. Vortrag im Rahmen der SOFI-Tagungsreihe „Work-In-Progress: Teilhabebarrieren – Vielfalt und Ungleichheit im segmentierten Bildungs- und Beschäftigungssystem“ am 23./24.05.2014 in Göttingen. PDF
Struck, Olaf/ Dütsch, Matthias (2014): Atypische Beschäftigungen und berufliche Qualifikationsrisiken im Erwerbsverlauf. Vortrag auf der Jahrestagung des SAMF e.V. am 20./ 21.02.2014 in Berlin. PDF
Poster
Poster 11: Betriebliche Beschäftigungssysteme und ungleiche Erwerbschancen. PDF