soeb-Ad-hoc-Gruppe auf dem 38. DGS-Kongress

„Rising tides do not lift all boats“: Die Persistenz von Schließungsprozessen bei der Verteilung gesellschaftlicher Wohlfahrt“

Der soeb-Verbund wird auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (26.-30. September 2016, Universität Bamberg) eine Ad-hoc-Gruppe unter dem Titel „Rising tides do not lift all boats“: Die Persistenz von Schließungsprozessen bei der Verteilung gesellschaftlicher Wohlfahrt“ ausrichten (Termin: 27.09.2016 von 14:15-17:00 Uhr Link zum DGS Programm).

Programm

Schließungsprozesse verhindern, dass gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten allen gleichermaßen offen stehen, während Öffnungsprozesse bisherige Chancenungleichheiten minimieren. Betrachtet man die sozioökonomische Entwicklung der letzten zehn Jahre in Deutschland zum einen aus einer makroökonomischen Perspektive, so ist festzustellen, dass sich die Verteilungsspielräume in den letzten Jahren vergrößert haben. D.h. auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene existieren Freiräume für eine Öffnung von Teilhabemöglichkeiten für bislang benachteiligte Gruppen. Zum anderen zeigt sich auf der Ebene von Individuen und Haushalten jedoch eine anhaltende Ungleichheit von Einkommen und Erwerbschancen. Insgesamt ist also zu vermuten, dass Schließungsprozesse weiterhin die Umwandlung von gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten in individuelle Teilhabeeffekte restringieren. Von der Phase des „Teilhabekapitalismus“ in den 1960er-/1970er-Jahren unterscheidet sich die gegenwärtige sozioökonomische Entwicklung vor allem durch Befunde, die für eine zunehmende Schließung und damit ungleichere Umwandlung der insgesamt positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sprechen: Die in den letzten Jahren zu beobachtenden gestiegenen gesamtgesellschaftlichen Verteilungsspielräume und das Wachstum des BIP bedeuten nicht mehr Wohlfahrt für alle. Stattdessen sind die verbesserten gesamtgesellschaftlichen Teilhabepotenziale weiterhin nicht allen zugänglich.

Zugangsbarrieren entstehen zum einen aufgrund von Schließungsprozessen in Lebens- und Erwerbsverläufen und einer dadurch generierten Kumulation von Benachteiligungen bzw. Bevorzugungen. Ressourcen zur Nutzung verbesserter makrostruktureller Bedingungen entwickeln sich über den Lebenslauf und sorgen so für eine zunehmende Schließung von Teilhabemöglichkeiten. Dies verschafft denjenigen Nachteile, die bereits zuvor benachteiligt waren und die verbesserten gesamtgesellschaftlichen Teilhabepotenziale so nicht unmittelbar nutzen können. Zum anderen werden Schließungsprozesse durch institutionalisierte Teilhabemechanismen in den Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit, soziale Nahbeziehungen, soziale Rechte und Vermögen erzeugt. Diese Mechanismen wirken zusammen und übersetzen das gesellschaftlich zu Verteilende in individuelle Teilhabe. (Aus)Schließungen, die sich in einem gesellschaftlichen Teilbereich ereignen, können so entweder kompensiert oder verstärkt werden.

Die Ad-hoc-Gruppe wird die theoretischen Analysekonzepte sowie die empirischen Ergebnisse des soeb-Verbunds vorstellen.

Referent/inn/en

Dr. Peter Bartelheimer (SOFI Göttingen): Mehr Wohlfahrt – aber ungleicher verteilt. Wo werden geschlossene Gesellschaften veranstaltet?

Dr. Matthias Dütsch/ Franziska Ganesch (Bamberg)/ Prof. Dr. Olaf Struck (Universität Bamberg): Betriebliche Beschäftigungssysteme und Arbeitsmarktsegmentierung

Meike Baas/ Veronika Philipps (SOFI Göttingen): Schließungsprozesse gegenüber gering Qualifizierten: die Rolle von Bildungszertifikaten für Ausbildungs- und Erwerbsverläufe im historischen Vergleich

Prof. Dr. Marcel Tyrell/ David Zimmermann (Zeppelin Universität Friedrichshafen): Öffnungs- und Schließungsprozesse im Finanzmarkt: Veränderungen im Kreditvergabeverhalten

Tobias Ritter (ISF München), Prof. Dr. Sabine Pfeiffer (Universität Hohenheim): Armutskonsum und Ausgrenzung: Folgen für soziale, kulturelle und materielle Teilhabe

Andrea Hense (Universität Bielefeld, SOFI Göttingen): Subjektive Wahrnehmung von potenzieller Ausgrenzung und ihre sozialstrukturellen Ursachen

 

 

Beitragsfolien
Bartelheimer, Peter: Zur Einführung: Mehr Wohlfahrt – ungleicher verteilt Wo entstehen geschlossene Gesellschaften PDF
Ganesch, Franziska/Dütsch, Matthias/Struck, Olaf: Betriebliche Beschäftigungssysteme und Arbeitsmarktsegmentierung PDF
Baas, Meike/Philipps, Veronika: Schließungsprozesse gegenüber Jugendlichen mit geringer Schulbildung: die Rolle von Bildungszertifikaten für Ausbildungs- und Erwerbsverläufe im historischen Vergleich PDF
Tyrell, Marcel/Zimmermann, David: Öff nungs- und Schließungsprozesse im Finanzmarkt - Veranderungen im Kreditvergabeverhalten PDF
Ritter, Tobias/Pfeiffer, Sabine: Armutskonsum und Ausgrenzung: Folgen für soziale, kulturelle und materielle Teilhabe PDF
Hense, Andrea: Subjektive Wahrnehmung von potenzieller Ausgrenzung und ihre sozialstrukturellen Ursachen PDF
Abstracts
Bartelheimer, Peter (SOFI): Mehr Wohlfahrt – aber ungleicher verteilt. Wo werden geschlossene Gesellschaften veranstaltet? PDF
Dütsch, Matthias/ Ganesch, Franziska/ Struck, Struck (Universität Bamberg): Betriebliche Beschäftigungssysteme und Arbeitsmarktsegmentierung PDF
Baas, Meike/ Philipps, Veronika (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen): Schließungsprozesse gegenüber gering Qualifizierten: die Rolle von Bildungszertifikaten für Ausbildungs- und Erwerbsverläufe im historischen Vergleich PDF
Tyrell, Marcel/ Zimmermann, David (Zeppelin Universität Friedrichshafen): Öffnungs- und Schließungsprozesse im Finanzmarkt: Veränderungen im Kreditvergabeverhalten PDF
Ritter, Tobias (ISF München)/ Pfeiffer, Sabine (Universität Hohenheim): Armutskonsum und Ausgrenzung: Folgen für soziale, kulturelle und materielle Teilhabe (Abstract) PDF
Andrea Hense (Universität Bielefeld/ Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen): Subjektive Wahrnehmung von potenzieller Ausgrenzung und ihre sozialstrukturellen Ursachen. PDF