Kapitel 10: Subjektive Prekaritätswahrnehmung: Soziale Ursachen und Folgen.

Resultierend aus dem untenstehenden Arbeitspaket 6 „Ursachen und Folgen subjektiver Prekaritätswahrnehmung“ entstand das Kapitel 10: Subjektive Prekaritätswahrnehmung: Soziale Ursachen und Folgen.

Die Autorin kommt durch ihre Analysen zu folgenden Kernbotschaften:

Wenn die Arbeitslosenquote wächst oder der wohlfahrtsstaatliche Schutz von abhängig Beschäftigten reduziert wird, steigt die selbst wahrgenommene Gefährdung der sozioökonomischen Teilhabe.
Sofern Individuen durch ihren Bildungsstatus oder ihre Erwerbstätigkeit privilegiert sind bzw. Einkommens- und Arbeitsplatzverluste im Haushalt besser kompensieren können , schätzen sie sich als weniger prekär ein.
Die Wahrnehmung von Einkommensprekarität macht die Heirat oder den Zusammenzug von Paaren unwahrscheinlicher und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Scheidungen.

Das Kapitel steht unter diesem Link als online-first Version zum Download bereit.

 

Arbeitspaket 6: Ursachen und Folgen subjektiver Prekaritätswahrnehmung

Arbeitspaket 6 „Ursachen und Folgen subjektiver Prekaritätswahrnehmung“ (Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld) fasst Prekarität als Wandel der Chancenstruktur auf, die über sozialstaatlich regulierte Lohnarbeit vermittelt wird. Während Beschäftigungs- und Einkommensstabilität in den Arbeitspaketen 5 und 7 eher retrospektiv analysiert werden, hat das hier zugrunde liegende Prekaritätskonzept eine prospektive Ausrichtung: von Prekarität wird gesprochen, wenn die zukünftige Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit von Erwerbspersonen als ungewiss und problematisch eingestuft wird und Sorgen über die Sicherheit des Arbeitsplatzes und über die ökonomische Situation artikuliert werden. Im Gegensatz zu anderen Prekaritätskonzepten, welche Prekarität an strukturellen Indikatoren festmachen, nutzt das Projekt subjektive Indikatoren. Dadurch kann die subjektiv wahrgenommene zukünftige Gefährdung der Erwerbsteilhabe erfasst werden, die entweder einer objektiven Statusverschlechterung vorausgeht oder die als kontrafaktische Verlustängste Folgen für die individuelle und familiale Wohlfahrtsproduktion hat. Im Arbeitspaket wird Prekaritätswahrnehmung zunächst unter Berücksichtigung des Forschungsstands theoretisch konzipiert. In einem zweiten Schritt wird deren zeitliche Entwicklung seit 1985 mittels Daten des SOEP beschrieben. Daran schließen sich multivariate Analysen zu den individuellen, familiären und betrieblichen Ursachen selbst wahrgenommener Einkommens- und Beschäftigungsprekarität an: Berücksichtigt werden der Haushalts- und Betriebskontext sowie der Lebensverlauf (z.B. Erwerbsbeteiligung und ökonomische Ressourcen im Haushalt,  Zeitpunkt und Erfahrung von Arbeitslosigkeit im Haushalt, soziale Herkunft, Art des Beschäftigungsverhältnisses, Betriebsgröße, Branche, Berufsstatus, Bildung). Folgen der Prekaritätswahrnehmung auf partnerschaftliche Beziehungen werden voraussichtlich in Bezug auf den Zusammenzug mit dem Partner, die Heirat und die Trennung vom Partner untersucht.

Bearbeiterin des Arbeitspakets

Andrea Hense (Universität Bielefeld)

 
Ergebnisse
Hense, Andrea: Measuring and Explaining Self-Perceived Employment Risks. Vortrag im Rahmen der 27th annual meeting of the Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE) “Inequality in the 21st Century” vom 02.-04.07.2015 in London PDF
Hense, Andrea: Prekarität von Beschäftigung. Vortrag auf den zweiten soeb-Werkstattgespräch am 04./05.12.2014 in Göttingen. PDF
Hense, Andrea: Sozialstaatliche Ursachen wahrgenommener Erwerbsprekarität. Vortrag auf der Veranstaltung "Revival oder Rückzug? Der Sozialstaat in Krisenzeiten" der Sektion Sozialpolitik im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 06.-10.10.2014 in Trier PDF
Hense, Andrea (2014): A Socio-Structural Explanatory Model of Self-Perceived Employment Risks. Vortrag auf der „ECSR 2014 Conference: Social Inequalities in Europe – On the Rise Again?“ am 25.09.2014 in Berlin PDF
Poster
Poster Kapitel 9: Teilhabe im Lebensverlauf – Deutschland im Vergleich. PDF