Kapitel 8: Erwerbsverläufe in Ost- und Westdeutschland nach der Krise

Resultierend aus dem untenstehenden Arbeitspaket 5 „Erwerbs- und Lebensverläufe“ entstand das das Kapitel "Erwerbsverläufe in Ost- und Westdeutschland nach der Krise", geschrieben von René Lehweß-Litzmann.

Der Autor kommt durch seine Analysen zu der Kernbotschaft, dass Erwerbsverläufe in Ost- und Westdeutschland weiter unterschiedlich sind.

Das Kapitel zeigt, dass die Erwerbsintegration von Männern im Vergleich zu Frauen nach wie vor deutlich besser ist, allerdings erst ab der Haupterwerbs- und damit Familiengründungsphase. Weiterhin entschleunigt sich der Erwerbsverlauf mit dem Alter und es besteht weniger Fluktuation zwischen Beschäftigung, Leistungsbezug und Arbeitslosigkeit bei Älteren. Beschäftigte im ostdeutschen Arbeitsmarkt müssen mehr leisten, um dabei weniger zu erreichen: sie erhalten niedrigere Tageslöhne bei höherem Arbeitsvolumen. Als letzten zentralen Punkt des Kapitels wird benannt, dass hohe ostdeutsche Erwerbsbeteiligung dem Westen einerseits als Vorbild dienen kann, andererseits bringt Doppel-Vollzeit für Paare Zeitnotstand mit sich. Es wird die Frage aufgeworfen, ob lange Teilzeit für beide der Doppel-Vollzeit vorzuziehen sei.

Das Kapitel steht unter diesem Link als online-first Version zum Download bereit.

 

Arbeitspaket 5: Erwerbs- und Lebensverläufe

Ausgangspunkt für das Arbeitsprogramm von Arbeitspaket 5 „Erwerbs- und Lebensverläufe“ (bearbeitet durch Schmidt Sozialforschung und das Soziologische Forschungsinstitut [SOFI]) ist die Überlegung, dass sich in einem spannungsreichen Nebeneinander kontinuierlicher und diskontinuierlicher Erwerbsmuster und unterschiedlicher Familienarrangements die durchschnittliche Entwicklung einzelner Kennziffern des Lebensverlaufs nicht mehr eindeutig und zuverlässig interpretieren lässt. Empirisch gesicherte Typenbildung ist daher eine wesentliche methodische Voraussetzung für Dauerbeobachtung gesellschaftlicher Entwicklung mit Längsschnittdaten.

Das Arbeitspaket erfüllt eine Synthesefunktion für den Verbund, indem es biografiebezogene Kennziffern, die in verschiedenen Arbeitspaketen aus unterschiedlichen Datensätzen generiert wurden, zusammenführt und interpretativ verknüpft. Mit deskriptiven Kumulationsvariablen, die bereits in soeb 2 erarbeitete Kennziffern fortführen bzw. nach dem Kriterium der Fortschreibungsfähigkeit ausgewählt werden, sollen Lebensverläufe und ihre Veränderungen im Umbruch des sozioökonomischen Entwicklungsmodells überblicksartig beschrieben, nach Kontinuität und Diskontinuität der Erwerbsbeteiligung bewertet und typisiert werden.

Zweitens sollen für die Haupterwerbsphase biografiebezogene Indikatoren aus der Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien (SIAB) des FDZ-BA (IAB) für den aktuellen Rand und einen historisch früheren Bezugszeitraum berechnet werden, und die im betriebsbezogenen Arbeitspaket 7 genutzt werden können, um die Effekte betrieblicher Strategien des Arbeitskräfteeinsatzes zu beobachten. Vorgesehen ist ferner eine ereignisanalytische Untersuchung von Übergangswahrscheinlichkeiten aus verschiedenen Erwerbsstatus, z.B. nach arbeitsmarktpolitischer Intervention (und zum Vergleich auch ohne eine solche).

Drittens sollen für die Phase des jungen Erwachsenenalters sowie für die Phase des höheren Alters Verwirklichungschancen („capabilities“) analysiert werden. Dazu werden für beide Lebensphasen unterschiedliche Paneldatensätze verwendet, die neben Informationen zu den ausgewählten Dimensionen der Erwerbsbeteiligung und der persönlichen Lebensführung subjektive Einschätzungen der Befragten zu ihren Wahlmöglichkeiten, Wahlentscheidungen und Begründungen für die entsprechenden Entscheidungen enthalten und damit die Analyse, von veränderten Wahlmöglichkeiten und Entscheidungen ermöglichen. Für die Phase der Familiengründung soll der Paneldatensatz PairFam in Kombination mit demoDiff genutzt werden, für das höhere Erwerbsalter der Deutsche Alterssurvey. Zur Operationalisierung des Konzepts der „dynamic capabilities“ im Lebensverlauf sind verschiedene Methoden zu prüfen.

Viertens sollen Familien- und Erwerbsverläufe über den gesamten Lebensverlauf hinweg im internationalen Vergleich und in ihrer historischen Dynamik (Kohortenvergleich) beschrieben werden. Dabei soll der multidimensionale Zustandsraum aus dem jeweiligen individuellen Erwerbsstatus in Verbindung mit Informationen über Kinder bestehen. Als Datengrundlage für diesen sequenzanalytischen und komparativen Ansatz dient der Datensatz SHARELIFE.

BearbeiterInnen des Arbeitspakets

Dr. René Lehweß-Litzmann (SOFI) und Dr. Tanja Schmidt (Schmidt-Sozialforschung)

 
Ergebnisse
Web-Tabellen Kapitel 09 PDF
Lehweß-Litzmann, René (2016): Erwerbsverläufe in Kennzahlen: Ost- und Westdeutschland zwischen 2009 und 2014. soeb-Working-Paper 2016-7 PDF
Lehweß-Litzmann, René (2015): Präsentation des Verbunds soeb und des Arbeitspakets 5 im Rahmen eines InGRID Forschungsaufenthalts am HIVA Research Institute for Work and Society in Leuven. PDF
Schmidt, Tanja (2014): Poster zu dem Thema „Capabilities in Life Course“ auf der 4th International pairfam Conference zu „Linked life course transitions and family outcomes“ am 25.09.2014 in Köln. PDF
Poster
Poster Kapitel 8: Erwerbsverläufe in Ost- und Westdeutschland nach der Krise. PDF