Arbeitspaket 9: ‘Nicht für die Schule – für den Arbeitsmarkt lernen wir.‘ Aber für welchen?

„‘Nicht für die Schule – für den Arbeitsmarkt lernen wir.‘ Aber für welchen?“ ist der Titel des vom Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) bearbeiteten 9. Arbeitspakets. Es fragt zunächst danach, welche Ausbildungsmuster zu welchen Erwerbsmustern führen und wie sich diese im Zeitverlauf wandeln. Wie unter anderem Analysen in soeb 2 zeigten, sind sowohl die Ausbildungsphase zwischen Schule und Beruf als auch die Übergänge von der Ausbildung ins Erwerbsleben komplizierter, weniger geradlinig und weniger regelhaft geworden. Da Schul- und Ausbildungslaufbahnen heute stärker als früher die späteren Arbeitsmarktchancen bestimmen, sind für Geringqualifizierte aufgrund mangelnder schulischer und/oder beruflicher Bildung allenfalls prekäre Muster der Erwerbsbeteiligung erreichbar.

Verlaufsstrukturen im Ausbildungs- und Erwerbssystem sollen in diesem Arbeitspaket im Kohortenvergleich und im Zusammenhang mit sozialstrukturellen Merkmalen und Haushaltsinformationen systematisch beschrieben und mittels Sequenz- und Clusteranalyse typisiert werden. Geeignete Paneldaten bietet hierfür insbesondere Etappe 8 „Bildung im Erwachsenenalter und lebenslanges Lernen“ des Nationalen Bildungspanels (NEPS).

Hieran soll sich eine Analyse von Gatekeeping-Prozessen im sog. „Übergangssystem“ anschließen, das die Ausbildungs- und Erwerbsverläufe von gering Qualifizierten in besonderem Maße durch sozialstaatliche Intervention strukturiert. Im Rahmen des Übergangssystems wurden ausschließlich Bildungsangebote geschaffen, die zu keinem anerkannten Berufsabschluss führen. Zudem wurden berufsvorbereitende Maßnahmen für leistungsschwache Jugendliche in die Schulzeit vorverlagert. Allerdings ist aufgrund bisheriger Erkenntnisse zu fragen, ob diese Interventionen tatsächlich die angedachte kompensatorische Funktion erfüllen, die Aufnahme einer regulären Ausbildung vorzubereiten, oder ob sie möglicherweise selbst zur Verfestigung von Bildungsarmut im Lebensverlauf beitragen. Die institutionelle Logik dieser Interventionen soll rekonstruiert werden und ihre Effekte sollen mittels Längsschnittdaten analysiert werden. Da Teilnehmer/innen an berufsvorbereitenden Maßnahmen im NEPS unterrepräsentiert sind, wird der Einfluss des Übergangssystems auf die Ausbildungs- und Erwerbsverläufe von Jugendlichen anhand aktualisierter Befragungsdaten für ein Panel von Hauptschüler/innen aus Niedersachsen analysiert, das am SOFI erhoben wurde. Als „Gatekeeper“ wurden auch Betriebe zu ihren Rekrutierungsstrategien befragt.

Bearbeiterinnen des Arbeitspakets

Dipl.-Pol. Meike Baas (SOFI),   Dr. Bettina Kohlrausch (SOFI)  und Dipl.-Soz. Veronika Philipps (SOFI)

 
Ergebnisse
Baas, Meike/ Philipps, Veronika: Veränderungen von Chancen und Risiken bei Arbeitsmarkteintritten: Eine integrierte Analyse von Bildungs- und Erwerbsverläufen. Vortrag im Rahmen der Jahrestagung des SAMF e.V. zum Thema "Welche Bildung braucht der Arbeitsmarkt?“ PDF
Kohlrausch, Bettina/ Richter, Maria/ Schmidt, Tanja (2014): Mobilitätsbarriere oder zweite Chance? Verläufe im Übergangssystem. Vortrag im Rahmen der SOFI-Tagungsreihe „Work-In-Progress: Teilhabebarrieren – Vielfalt und Ungleichheit im segmentierten Bildungs- und Beschäftigungssystem“ am 23./24.05.2014 in Göttingen. PDF