Präsentation von Ergebnissen des Forschungsverbunds am 13. November 2009

Panel 3: Bevölkerungspolitik oder Gesellschaftspolitik? Demografischer Trendbruch und wirtschaftliche und soziale Gestaltungsspielräume

Die demografische Entwicklung, für die eine Abnahme sowohl der Bevölkerung als auch des Erwerbspersonenpotenzials prognostiziert werden, erscheint im politischen Diskurs häufig als absolute Begrenzung sozioökonomischer Entwicklungsmöglichkeiten. Doch demografische Entwicklungen wirken nicht unmittelbar auf den Arbeitsmarkt, sondern vermittelt über gesellschaftliche Strukturen und über das Verhalten von Unternehmen, Haushalten, Staat und Verbänden. Und diese Vermittlungen sind politisch gestaltbar.

Als Grundlage für die Diskussion solcher Wirkungszusammenhänge modellierte die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) auf der Grundlage ihres Makromodells INFORGE/DEMOS Angebots-Nachfrage-Relationen des Arbeitsmarkts bis 2020. Dabei wird die Nachfrage nach Erwerbsarbeit als endogene Größe modelliert, das Arbeitsangebot als exogen.

Zentraler Befund der Modellierung ist, dass es bis 2020 keine demografische, aber sehr wohl eine qualifikatorische Lücke am Arbeitsmarkt geben wird. Diese entsteht durch einen deutlichen Mismatch bei den höheren Qualifikationen. Dagegen übersteigt bis zum Ende des Modellierungszeitraums das Angebot an geringen und mittleren Qualifikationen noch immer die Nachfrage. Wie ließe sich diese qualifikatorische Lücke schließen?

Dazu wurden alternative Entwicklungsszenarios modelliert, die Bildungsbeteiligung, eine Ausweitung des Erwerbspersonenpotenzials durch erhöhte Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine verlängerte Erwerbsintegration Älterer variieren. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Bildungsexpansion, wie sie die EU-Benchmarks definieren, die stärksten positiven Effekte hätte. Bei einer Fortschreibung der derzeitigen Bildungsbeteiligung erscheint es jedoch unmöglich, dass diese Ziele erreicht werden. Auch die wachsende Erwerbsbeteiligung von Frauen reicht bei Fortschreibung derzeitiger Trends nicht aus: Zum einen schränkt die Betreuung von Kindern nach wie vor die Erwerbsarbeit von Frauen stark ein, zum anderen wäre eine Zunahme vor allem bei mittleren Qualifikation zu erwarten. Bei den Altersübergängen schließlich kann nicht eine gleichmäßige Ausweitung der Lebensarbeitszeit, sondern eine Ausdifferenzierung von Übergangsmustern beobachtet werden: Über die Kohortenfolge sinkt zwar der Zeitanteil in Vollzeitbeschäftigung und in Nichterwerbstätigkeit, während Zeitanteile in Arbeitslosigkeit zunehmen. Dabei gibt es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und nach Bildungsabschlüssen.

Folienvortrag
Peter Bartelheimer: Eine demografische Lücke am Arbeitsmarkt? PDF