Präsentation von Ergebnissen des Forschungsverbunds am 13. November 2009

Panel 2: Sozial ist, was Arbeit schafft? Teilhabemuster im Umbruch und neue Unsicherheiten

Auch nach dem Umbruch wird gesellschaftliche Teilhabe maßgeblich durch Erwerbsbeteiligung realisiert. Die dabei stattfindenden Veränderungen werden durch die Beobachtung einer steigenden Sockelarbeitslosigkeit oder der Zunahme atypischer Beschäftigung aber nicht ausreichend erfasst. Erst in einer Längsschnittbetrachtung zeigt sich die abnehmende soziale Bedeutung des fordistischen Normalarbeitsverhältnisses (existenzsichernde, kontinuierliche Vollzeitbeschäftigung):

Auf der Ebene individueller Lebensverläufe werden die klassischen Muster fordistischer Erwerbsintegration seltener. Das für Männer charakteristische Muster von Vollzeitbeschäftigung – typischerweise ohne Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit oder Familienarbeit – nimmt ab, bleibt aber auf niedrigerem Niveau vorherrschend für Männer in West- und Ostdeutschland. Das komplementäre Muster weiblicher Famiienarbeit – mit nur kurzen Phasen von Erwerbsarbeit, die nur selten in Form von Vollzeitbeschäftigung auftritt – verliert bei westdeutschen Frauen sehr stark an Bedeutung, für ostdeutsche Frauen war es nie typisch. Für west- und ostdeutsche Frauen nimmt nun jedoch das Zuverdienstmodell – relativ kontinuierliche Teilzeitarbeit, unterbrochen von kürzeren Familienarbeitsphasen – zu, so dass sich die Erwerbsverläufe ost- und westdeutscher Frauen angleichen.

Jenseits der Veränderung der klassischen fordistischen Muster ist insbesondere in Ostdeutschland eine deutliche Zunahme bei prekären Verläufen zu beobachten – mit geringer Kontinuität der Beschäftigung, hohen Anteilen von Zeiten ohne Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit. Dieser Befund zeigt sich auch auf der Makroebene des Erwerbssystems: Hier sind „Zonen der Erwerbsteilhabe“ entstanden, die von stabiler Vollzeitbeschäftigung bis zum dauerhaften Ausschluss von Erwerbsarbeit variieren.

Folienvortrag
Sabine Fromm: Sozial ist, was Arbeit schafft? PDF