Präsentation von Ergebnissen des Forschungsverbunds am 13. November 2009

Panel 1: Nach dem Rheinischen Kapitalismus?

Das "alte", fordistische Modell des Kapitalismus, dessen deutsche Ausprägung als "Rheinischer Kapitalismus" beteiligt wurde, nutzte die steigende Arbeitsproduktivität als zentrale Entwicklungsressource. Mit der Kopplung von Produktivitäts- und Lohnzuwächsen wurde erstmals die Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten an einem über die Reproduktion der Arbeitskraft hinausgehenden Konsum und einer generellen Verbesserung der Lebensverhältnisse erreicht. So entstand in allen entwickelten Industrieländern eine Form des "Teilhabekapitalismus" in jeweils länderspezifischer Ausprägung.

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Grenzen dieses Entwicklungsmodells deutlich, die schließlich als ökonomische Krise und als Legitimationskrise in Erscheinung traten. Als zentrale Krisenursache kann aus Sicht von soeb2 das Erreichen von Tragfähigkeitsgrenzen bei der Nutzung natürlicher Ressourcen bzw. eine ungenügende Ressourceneffizienz angesehen werden. Die Ressourceneffizienz blieb bis in die 1980er Jahre deutlich hinter dem Wachstum der Produktivität zurück.

Ressourceneffizienz

Steigt die Ressourceneffizienz langsamer als die Arbeitsproduktivität, so wachsen negative Skaleneffekte exponentiell an - mit der Folge, dass die Ressourcen wirtschaftlicher entwicklung abnehmen und die Produktion kaum noch steigt. Für diesen Zusammenhang war die fordistische Regulation jedoch blind.

Dementsprechend setzten die Strategien zur Bewältigung der Krise nicht an der Problematik der Ressourceneffizienz an, sondern versuchten den Umbruch durch auf Stabilisierung und Umverteilung gerichtete Anpassungen letztlich zu vermeiden. Auf nationaler Ebene wurde versucht, Wachstumsdefizite und Einkommensprobleme durch – zum Teil widersprüchliche – Umverteilungsstrategien zu lösen: Dabei wurden die produktivitätsorientierte Lohnentwicklung und die Kopplung der Sozialtransfers an die Produktivität suspendiert und insgesamt der Druck auf Beschäftigte wie Erwerbslose erhöht. Internationale Krisenbewältigungsstrategien lassen sich als Umstellung auf einen Wettbewerbsstaat mit gezieltem Aufbau bzw. Nutzung von Standortdifferenzen beschreiben. Mit der Abkopplung der Kapitalverwertung von der Finanzkapitalverwertung und der Unterordnung der wirtschaftlichen Entwicklung unter das Finanzkapital kam schließlich eine ökonomische Dynamik in Gang, die in der finanzmarktinduzierten Wirtschaftskrise mündete.

Die Entstehung eines neuen Regimes wirtschaftlicher Entwicklung, das eine ebenso breite gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wie im Fordismus, dabei jedoch individualisierte Teilhabechancen eröffnet, setzt weiterhin wirtschaftliches Wachstum voraus, das aber auf einer wachsenden und umweltkompatiblen Ressourceneffizienz als wesentlicher Quelle wirtschaftlicher Entwicklung basieren müsste.

Folienvortrag
Rainer Land: Der Teilhabekapitalismus und sein Ende PDF