Präsentation von Ergebnissen des Forschungsverbunds am 13. November 2009

Offene Fragen

Aus den Diskussionen innerhalb der drei Panels lassen sich Themen identifizieren, die für eine Fortsetzung der Sozioökonomischen Berichterstattung weiter bearbeitet werden sollten:

  • Der Teilhabebegriff erscheint noch nicht ausreichend ausgearbeitet. Sowohl sein Zusammenhang mit dem Capability Approach von Sen wie auch seine Ursprünge in der politischen Theorie und seine Anschlussfähigkeit an bestehende Ansätze (z.B. Dynamik von Armut) sollten stärker inhaltlich diskutiert werden.- Die ökologischen Implikationen des Umbruchs werden aus Sicht der Diskussionsteilnehmer/innen nicht ausreichend berücksichtigt. Dies betrifft so unterschiedliche Probleme wie die mangelnde Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung der Produktion oder die Schwierigkeit, unter prekären Bedingungen eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln.
  • Eng damit verbunden ist die Frage, wie Wohlfahrt gemessen werden kann. Dazu muss nicht nur der Teilhabebegriff weiterentwickelt werden, sondern auch Fragen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit müssen systematisch einbezogen werden.
  • Schließlich wurde eine Überbewertung der Erwerbsarbeit für Teilhabe kritisch bewertet. Teilhabe ausschließlich über Erwerbsarbeit zu definieren, beinhaltet die Gefahr der vollständigen Kommodifizierung, deren Folgen für Individuum und Gesellschaft stärker diskutiert werden sollten. Sozioökonomische Berichterstattung sollte deshalb künftig stärker Teilhabechancen und –formen jenseits der Erwerbsarbeit berücksichtigen.
  • Die Problematik, wie Diskontinuitäten der Erwerbsbeteiligung zu bewerten sind, erscheint noch nicht ausreichend gelöst. Hier müssten sowohl subjektive Faktoren als auch institutionelle Einflüsse stärker berücksichtigt werden.
  • Vor allem hinsichtlich der Erforschung von Ausgrenzung aus Erwerbsarbeit besteht ein Datenproblem, da Personen ohne Meldezeiten nicht in der amtlichen Statistik erscheinen (können). Darüber hinaus ist die amtliche Statistik heutigen Fragestellungen vielfach nicht ausreichend angepasst. Die Nachfrage aus der Forschung sollte deutlicher formuliert werden.
  • Bei der Entwicklung von neuen Indikatoren sollte die Anschlussfähigkeit an bestehende Indikatoren geprüft werden (z.B. Laeken-Indikatoren).
  • Qualitative Ansätze sollten generell stärker in die Berichterstattung einbezogen werden, da die (Nicht-)Verwirklichung von Teilhabechancen allein quantitativ nicht erklärt werden kann.