Kennziffern der Erwerbsbeteiligung
Mit den Kennziffern der Erwerbsbeteiligung wird im zweiten Bericht zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland der Arbeitsmarkt danach beurteilt, ob und in welchem Ausmaß er durchlässig für Personen mit einer unstetigen Erwerbsbeteiligung ist, wie hoch also sein Integrations-, Gefährdungs- und Ausgrenzungspotenzial für die Teilhabe an (abhängiger) Erwerbsarbeit ist.
Die Kennziffern messen für Beschäftigte an einem Stichtag, dem 30. Juni, ihre Anbindung an (abhängige) Erwerbsarbeit in einer Fünfjahresperspektive. Derzeit beziehen sie sich auf die Stichtagsbeschäftigten der Jahre 2001 und 2004 und messen für sie in einem Zeitraum von fünf Jahren:
- die Beschäftigungszeit in Prozent
- die Anzahl der direkten Betriebswechsel ohne eine eingelagerte Arbeitslosigkeitsphase oder Meldelücke
- den Anteil der seit mindestens viereinhalb Jahren beim gleichen Arbeitgeber beschäftigten Personen
- den Anteil der stabil Beschäftigten
- den Anteil der Meldelücken am gesamten Fünfjahreszeitraum
- die Wechsel von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit und umgekehrt.
Die Ergebnisse und Interpretationen zu den einzelnen Kennziffern können Sie über die pdf-Dateien im rechten Bereich dieser Seite einzeln aufrufen. Dort befindet sich auch eine Einführung in das Messkonzept der Kennziffern und in die verwendete Datenbasis. Die Kennziffern ergeben in ihrem Gesamteindruck für den jeweils anvisierten Fünfjahreszeitraum ein umfassendes Bild der Beschäftigungssituation von Stichtagsbeschäftigten in der Teilhabeperspektive, d.h. ob und wie lange sie beschäftigt sind, wie oft sie ihren Arbeitgeber wechseln, wie oft sie arbeitslos sind und vieles mehr. Darüber hinaus ergänzen sie die Analysen des Zonenmodells der Erwerbsbeteiligung, indem sie das Arbeitsmarktverhalten von Personen aus verschiedenen Blickwinkeln näher beschreiben. Die einzelnen Kennziffern werden auf den angebotenen Seiten differenziert nach Gesamt-, West- und Ostdeutschland, nach Geschlechtern sowie nach Alters- und Bildungsgruppen ausgewiesen.
Anhand empirischer Ergebnisse zeigen die Kennziffern an verschiedenen Sachverhalten auf, wie sich mit negativer Entwicklung der Arbeitsmarktsituation die Beschäftigung zugunsten der intensiv an Erwerbsarbeit teilhabenden Personen verschiebt. Spiegelbildlich werden Personen mit einer unstetigen Teilhabe im Beobachtungszeitraum zunehmend aus Beschäftigung verdrängt.
Die Empirie zeigt, dass diese Durchlässigkeit im Beobachtungszeitraum abgenommen hat. Die Beschäftigung konzentriert sich zunehmend auf Personen, die sich kontinuierlich auf dem Arbeitsmarkt befinden. Das lässt sich an den Anteilen zweier Beschäftigtengruppen ablesen:
- der Personen, deren aktuelles Beschäftigungsverhältnis seit mindestens viereinhalb (4,5) Jahren fortbesteht (Kennziffer „Beschäftigungsverhältnis über 4,5 Jahre“)
- der Personen, die seit 4,5 bzw. vollen fünf Jahren kontinuierlich in Beschäftigung sind, aber nicht unbedingt die ganze Zeit beim gleichen Arbeitgeber (Kennziffer „Anteil stabile/sichere Beschäftigung“)
Beide Personengruppen sind zum Stichtag 30. Juni seit mindestens 4,5 Jahren in Beschäftigung.
Der Anteil der seit mindestens 4,5 Jahren beim gleichen Arbeitgeber beschäftigten Arbeitnehmer an allen Stichtagsbeschäftigten hat von 2001 bis 2004 um sechs Prozent (von 37 auf 43 Prozent) zugenommen. Insgesamt kontinuierlich beschäftigt waren im Jahr 2004 54 Prozent der Stichtagsbeschäftigten über volle fünf Jahre (Zeitraum 2000 bis 2004, „stabil Beschäftigte“), 67 Prozent mindestens 4,5 Jahre lang („sicher Beschäftigte“). Das sind neun Prozent mehr als noch im Jahr 2001 (Zeitraum: 1997 bis 2001). Diese Zunahme des Gewichts stabiler bzw. sicherer Beschäftigung ist nicht darauf zurückzuführen, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt mehr Personen in stabiler Beschäftigung gäbe, sondern darauf, dass Personen mit instabilen Erwerbsverläufen vermehrt in Arbeits- oder Erwerbslosigkeit verdrängt wurden. Durch eine sinkende Beschäftigungsleistung des deutschen Arbeitsmarktes steigt das Gewicht der stabilen Beschäftigung, ohne dass die absolute Anzahl der stabil Beschäftigten steigt.
Mit einem anderen Teil der Kennziffern wird die Flexibilität der Stichtagsbeschäftigten in den letzten fünf Jahren gemessen, sowohl bezüglich der direkten Betriebswechsel wie auch bezüglich der Wechsel von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit und umgekehrt. Zwischen 2001 und 2004 haben die direkten Arbeitgeberwechsel (Kennziffer „Anzahl der Betriebswechsel“) in den meisten Personengruppen zugenommen. Es wechseln anteilig mehr Personen ihren Arbeitgeber (36 Prozent im Jahr 2004 gegenüber 31 Prozent im Jahr 2001), aber die Frequenz hat leicht abgenommen. Bei den „Betriebswechslern“ betrug bezogen auf das Jahr 2001 die Zahl der direkten Arbeitgeberwechsel durchschnittlich 1,6. Bezogen auf das Jahr 2004 nahmen die „Betriebswechsler“ durchschnittlich nur noch 1,5 direkte Arbeitgeberwechsel vor. Bei den Wechseln von Beschäftigung in Arbeitslosigkeit hat sich der Personenanteil kaum verändert (ca. 18 Prozent 2001 wie 2004), aber diese Personen wechselten im Zeitverlauf etwas häufiger zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit (von 1,8 durchschnittlichen Wechseln bezogen auf 2001 zu 1,9 bezogen auf 2004). Die Zirkulationsfrequenz zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit hat sich also im Vergleich der beiden Messzeiträume erhöht.
Differenzierungen – etwa nach Männern und Frauen, Altersgruppen oder der beruflichen Qualifikation – zeigen deutliche Unterschiede im Arbeitsmarktverhalten der Personen in einer Erwerbsverlaufsperspektive auf. Auch diese Differenzierungen werden in den pdf-Dateien im rechten Bereich dieser Seite vorgestellt und kommentiert.
In der Umsetzungsphase von soeb 2 wird angestrebt, die Kennziffern auch für arbeits- bzw. erwerbslose Personen zu berechnen, um so das Erwerbspersonenpotenzial – mit Ausnahme der so genannten „stillen Reserve“ – zu einem Stichtag in einer Längsschnittperspektive beschreiben zu können. Damit wird ein umfassendes Bild der Integrationsleistung des deutschen Arbeitsmarktes entstehen – und des Personenkreises, der mit Bezug auf die Teilhabe an Erwerbsarbeit gefährdet bzw. ausgegrenzt ist.
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