Abteilung 4: Ungleichheit und Vielfalt von Lebensweisen

In Abteilung IV wird über die Auflösung dominanter Muster der „Passung“ von Erwerbssystem, Einkommens- und Haushaltsstruktur sowie die daraus resultierenden neuen Muster sozialer Ungleichheit in den Lebensweisen von Haushalten berichtet. Alltägliche Lebensführung in Haushalten vermittelt Teilhabe am gesellschaftlichen System der Arbeitsteilung durch Erwerbsarbeit mit Teilhabe über persönliche Nahbeziehungen (Hausarbeit und Familienunterhalt). Das alte deutsche Sozialmodell unterstellte, dass das individuelle Erwerbseinkommen eines (männlichen) Verdieners die materielle Teilhabe einer Familie sichert. Im Umbruch verändert sich diese „Passung“ von Erwerbs- und Einkommenssystem sowie der Haushalts bzw. Familienstrukturen von Seiten der Ökonomie wie der Lebensweise: Paarhaushalte differenzieren sich nach angestrebten und realisierten Verdienermodellen aus, und aufgrund der wachsenden Lohnspreizung wird das alte Ein-Verdiener-Modell zum Wohlstandsmodell für eine Minderheit und zu einem Einkommensrisiko für die Mehrheit. Die beiden politischen Leitbilder der Regulierung, „Individualisierung“ (Gleichstellung am Arbeitsmarkt) und „Familialisierung“ (Partnerunterhalt und vorrangige Eigenleistungen des Haushalts) stehen in wachsender Spannung zueinander. Diese Umbruchskonstellation wird in einer Reihe von Beiträgen aus verschiedenen Perspektiven untersucht. Zunächst wird ein Überblick über die empirische Vielfalt von Haushalts- und Familienstrukturen und über die Verdienermodelle des Haushalts gegeben, die im Umbruch nebeneinander stehen. Daran schließen sich Analysen zum Erwerbseinkommen im Haushaltskontext an, denn Wechselwirkungen zwischen der Regulierung der Lohnfindung am Arbeitsmarkt (bei abnehmender Wirksamkeit von Tarifpolitik) und der sozialpolitischen Regulierung des Existenzminimums im „letzten sozialen Netz“ der Grundsicherung sind längst ins Zentrum der Einkommenspolitik gerückt. Vertiefend wird untersucht, wie sich die Grenzen zwischen privat geleisteter Hausarbeit und Erwerbsarbeit verschieben und wie sich die Zunahme haushaltsnaher Dienstleistungen auf das Erwerbssystem auswirkt. An Zeitstrukturen kann nachvollzogen werden, in welchen Mustern alltäglicher Lebensführung Konflikte zwischen Anforderungen des Erwerbssystems und des persönlichen Nahbereichs bewältigt werden. Zur Ausdifferenzierung von Lebensweisen tragen auch Muster der ethnischen Differenzierung bei.