Kapitel 14: Qualität von Arbeit

Erwerbsarbeit ist doppelt bestimmt: Sie gehört sowohl dem ökonomischen System als auch der Lebensweise an. Nicht nur Betriebe stellen Ansprüche an die Nutzung von Arbeitskraft, auch Arbeitende haben Ansprüche an Qualität und Gestaltung des Arbeitsprozesses. In diesem Kapitel geht es um Wirkungen veränderter Produktions- und Arbeitssysteme auf die Belastungs- und Ressourcenstruktur der Arbeitsplätze, die neben den Einkommensbedingungen wesentlich die subjektiv wahrgenommene Qualität von Arbeit prägen. Die zentralen Beobachtungsdimensionen – Gesundheitsbedingungen, subjektive wie ökonomische Gesundheitsfolgen, Qualifikationsanforderungen, Arbeitserleben (z.B. Arbeitszufriedenheit), Betriebsbindung und Wechselwirkungen mit dem Familien- und Freizeiterleben – beschreiben die Handlungsspielräume der Arbeitenden und damit die Realisierung von Teilhabe durch Erwerbsarbeit.

Belastungen und Ressourcen

Konzepte zur Bewertung von Arbeit nehmen eine Gestaltung von Arbeitstätigkeiten zum Maßstab, welche die psychophysische Gesundheit der Arbeitenden nicht schädigt, ihr psychosoziales Wohlbefinden nicht – oder allenfalls vorübergehend – beeinträchtigt, ihren Bedürfnissen und Qualifikationen entspricht, individuelle und/oder kollektive Einflussnahme auf Arbeitsbedingungen und Arbeitssysteme ermöglicht und zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit im Sinne der Entfaltung ihrer Potentiale und Förderung ihrer Kompetenzen beiträgt. Hier sollen diese Konzepte, die bisher überwiegend in Einzelstudien Verwendung finden, für eine regelmäßige Beobachtung der Qualität von Arbeit genutzt werden. Zu beschreiben ist demnach die Entwicklung von wahrgenommenen Belastungen und Potenzialen sowie deren Zusammenwirken. Dabei wird angestrebt, die Anforderungsstruktur der außerberuflichen Arbeit im Sinne einer Gesamtbilanz der arbeitsbedingten Ressourcen und Belastungen so weit wie möglich einzubeziehen. Zum Ziel des Kapitels wird es demnach, Arbeit aus der Sicht von Erwerbstätigen zu typisieren.

Gesundheit und Wohlbefinden im Kontext der Arbeitsqualität

Gesundheit kann weit gefasst als ein immer wieder aufs Neue herzustellendes Gleichgewicht des physischen, psychischen und sozialen Befindens definiert werden, das eng mit den spezifischen Entwicklungsmöglichkeiten, Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen verknüpft ist. Gesundheit wie auch Krankheit müssen als Ergebnis eines von mehreren Faktoren beeinflussten Prozesses verstanden werden. Daher ist Wohlbefinden auch subjektiv bestimmt und nicht ausschließlich an eine (zumindest scheinbar) objektivierbare Diagnose gebunden. Erst die Kenntnis von Gesamtbelastungen, aber auch von Ressourcen und Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten im Alltag ermöglicht es, Belastungsfolgen umfassend zu analysieren und wichtige Hinweise für eine gesundheitsförderliche Gestaltung und Verteilung von Arbeit zu liefern.

Zu prüfen ist die Annahme, dass mit veränderten Arbeitsbedingungen und Formen der Arbeitsorganisation verschiedene Arbeitsbelastungen kumulieren: psychische Belastungen wie Stress und Überforderung, neue körperliche Belastungen durch die Arbeit mit moderner Technik, emotionale und soziale Belastungen. Auch für diese Fragestellung sollen neben der Erwerbsarbeit weitere Anforderungen in die Betrachtungen einbezogen werden, etwa solche durch unbezahlte Arbeit und sonstige Tätigkeiten.

  • Welche Ursache-Wirkungs-Ketten bezüglich der erlebten Belastung und der gesundheitsrelevanten Belastungsfolgen lassen sich identifizieren?
  • Unter welchen Bedingungen hat die Gleichzeitigkeit von beruflichen und familiären Aufgaben positive bzw. negative Konsequenzen?
  • Unter welchen Bedingungen schätzen Beschäftigte den Erhalt ihrer weiteren Arbeitsfähigkeit günstig bzw. ungünstig ein?
  • Wie wirkt sich die Arbeitsqualität auf das emotionale Erleben der Beschäftigten aus (Arbeitsfreude, Frustration, Zufriedenheit, Verbundenheit mit dem Unternehmen etc.)?
  • In welchem Verhältnis steht diese Entwicklung zu der Dynamik chronischer Erkrankungen und der Arbeitsunfähigkeit bzw. dem arbeitsbedingten Unfallgeschehen?
Ergebnisse
Fuchs, Tatjana (2008): Qualität der Arbeit. Literaturstudie. soeb-Arbeitspapier 2008-5. PDF
Anhang Dokument 1: Methodische Erläuterungen zu den Bibb-IAB-/BiBB-BAUA-Erhebungen PDF
Anhang Dokument 2: Arbeitsbedingungen im Zeitverlauf - unter Berücksichtigung von Intensität und Häufigkeit PDF
Anhang Dokument 3: Verbreitung von häufig auftretenden körperlichen und psychische Arbeitsbelastungen in verschiedenen westdeutschen Branchen im Zeitverlauf PDF

Bearbeiter des Kapitels

Internationales Institut für empirische Sozialökonomie (INIFES)