Abteilung 2: Unsichere Erwerbsbeteiligung

Die thematischen Schwerpunkte der Abteilungen II bis IV sind das Ergebnis einer notwendigerweise pragmatischen Auswahlentscheidung aufgrund von Befunden und Situationsdeutungen des Ersten Berichts; spätere Berichte können (und sollen) andere Schwerpunkte wählen. Diese Abteilungen behandeln in exemplarischer Vertiefung je einen aktuell wesentlichen Problemkomplex, der im Umbruch des gesellschaftlich prägenden Teilhabemodus entsteht. In der Analyse dieser Problemkomplexe werden verschiedene Dimensionen individueller Teilhabe zueinander in Beziehung gesetzt.

Im Mittelpunkt der Beiträge zu Abteilung II steht die neue Unsicherheit in der Erwerbsarbeit. Das Sozialmodell der Nachkriegszeit verwandelte Lohnarbeit (abhängige Erwerbsarbeit) aus einem Zustand der Unsicherheit in einen sozialstaatlich gesicherten Status. Heute wird er in eine unsichere Teilhabeform zurückverwandelt, weshalb auch die politische Formel, das beste Mittel gegen Ausgrenzung sei ein Arbeitsplatz, für einen wachsenden Teil der Erwerbsbevölkerung nicht mehr stimmt. Ein Kapitel liefert Kennzahlen für die Segmentierung der Erwerbsgesellschaft in Zonen sicherer, unsicherer und scheiternder Erwerbsbeteiligung. Ein weiteres Kapitel analysiert Sicherheit und Unsicherheit von Beschäftigung, Einkommen und Qualifikation als sozioökonomische Wirkungen, als "Outcomes" von Strategien auf Unternehmens bzw. Betriebsebene. Darauf kommt die ungleiche Teilhabequalität von Erwerbsarbeit aus der Perspektive der Nutzung von Arbeitskraft und der Gestaltung von Arbeit in den Blick. Schließlich wird unsichere Erwerbsbeteiligung als eine neue soziale Lage behandelt, die durch eine Kombination von zwei Unsicherheiten entsteht: Prekär ist sowohl die Teilhabe durch den Arbeitsmarkt als auch die Teilhabe durch soziale Sicherung – was sich etwa im "Abstieg" aus dem Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (des SGB III) in den der "Erwerbsfürsorge" (des SGB II) widerspiegelt. Diese Zone der "Überzähligen der Erwerbsgesellschaft" ist auf Zusammenhänge mit Problemlagen in anderen Teilhabedimensionen (z.B. Defizite in sozialen Nahbeziehungen, prekärer Bildungsstand) zu untersuchen.