Denken im Modell
Um Befunde aus verschiedenen Gegenstandsbereichen zu integrieren, benötigt der sozioökonomische Berichtsansatz theoretische Modellannahmen. Produktionsmodelle, die mikroanalytisch auf Ebene des Betriebs oder Unternehmens zu beobachten sind, stehen für einen typischen Zusammenhang von markt- bzw. geschäftspolitischen Strategien von Unternehmen, typischen Formen der Betriebsorganisation sowie der sie rahmenden institutionellen Ordnung. Die Gesamtheit der gesellschaftlichen Institutionen und Regulierungen dagegen, die eine Gesellschaft in die Lage versetzen, unter Bedingungen einer Marktökonomie "als eine durch wechselseitige Abhängigkeitsbeziehungen verbundene Gesamtheit zu existieren" (Castel), kann als Sozialmodell gelten. Das Sozialmodell, das für die Lebensführung der Haushalte den Rahmen bildet, umfasst also viel mehr als ein bestimmtes Sozialstaatsregime. Das "Denken im Modell" soll die Berichtsgegenstände auswählen helfen, die für eine empirisch dichte Beschreibung des Produktions- und Sozialmodells benötigt werden, und Problemfelder des Umbruchs identifizieren. Im ersten Bericht (soeb 1) wurden sechs solcher Problemfelder behandelt:
- das Nebeneinander sicherer und unsicherer Muster der Erwerbsbeteiligung,
- das Nebeneinander verschiedener Verdienermodelle des Haushalts,
- verschiedene Zeitmuster für Erwerbsarbeit und andere Aktivitäten,
- Ungleichheit bei Erwerb und Nutzung von Bildung,
- das Verhältnis formeller Dienstleistungen und informeller Hausarbeit,
- Formen und Muster von Engagement und Partizipation.

