soeb-Newsletter #12

07.06.2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem Newsletter des Forschungsverbunds Sozioökonomische Berichterstattung (soeb 3) möchten wir Sie/ Euch über die neu erschienenen Berichtskapitel informieren. Diese werden sukzessive im neuen "online first" Format auf der Seite des W. Bertelsmann Verlag veröffentlicht. Diese werden kostenlos als Open Access bereitgestellt (Link). Im Folgenden werden die Kernbotschaften der neuen Kapitel vorgestellt.

Kapitel 03: Typische Teilhabemuster: Verschiedenheit und Ungleichheit (Hense, Andrea)

Zentrale Botschaft dieses Kapitels ist, dass die gesellschaftlichen Möglichkeitsräume von Individuen unterschiedlich genutzt werden, weil sie unterschiedliche Präferenzen haben oder ihnen Teilhabemöglichkeiten versperrt sind.

Der Verbund untersucht individuelle Teilhabeergebnisse auf drei verschiedenen Dimensionen: materielle Teilhabe (Einkommen, Vermögen, Konsum), Erwerbsbeteiligung und Teilhabe an sozialen Nahbeziehungen. Insgesamt nimmt die Teilhabe an Erwerbsarbeit zu. Es zeigen sich jedoch ein Rückgang von integrativen Bildungs- und Arbeitsmarktverläufen sowie die Zunahme von Beschäftigung mit prekärem Potenzial, insbesondere bei niedriger Bildung, Frauen, jüngeren Kohorten und Ostdeutschen. Zudem wird ein Ausstieg aus Erwerbsprekarität und Arbeitslosigkeit unwahrscheinlicher. Die Verteilung der Primär- und Sekundäreinkommen wird ungleicher, besonders betroffen sind Ostdeutsche, Alleinerziehende und Arbeitslose. Zudem ist zukünftig – vor allem bei Frauen – mit mehr Altersarmut zu rechnen. Frauen-Verläufe sind stärker durch soziale Nahbeziehungen definiert, und Rentner/innen partizipieren mehr an sozialen Beziehungen. Einkommensprekarität und Armut führen jedoch zu Trennungen und zum Rückzug aus Sozialkontakten.

Kapitel 12: Über Ausbildung in Arbeit? Verläufe gering gebildeter Jugendlicher (Baas, Meike/Philipps, Veronika)

Die Autorinnen kommen durch ihre Analysen zu der Kernbotschaft, dass der Schulabschluss zunehmend eine Rolle für einen gelingenden Berufseinstieg und eine stabile Arbeitsmarktintegration spielt: Für die Gruppe der Jugendlichen mit höchstens Hauptschulabschluss oder mit mittlerem Schulabschluss gibt es einen Anstieg an befristeten Beschäftigungsverläufen sowie Verläufen, die eine Exklusion vom Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt darstellen. Zudem ist es für die Vermeidung eines „Exklusionsverlaufs“ zunehmend wichtig, einen mittleren Schulabschluss anstelle eines Hauptschulabschlusses zu erwerben. 

Kapitel 18: Konsumteilhabe nach Wohlstandsschichten – verbreitete Defizite (Becker, Irene)

Die Analysen der Autorin münden in folgende Kernbotschaften:

1. Teilhabedefizite infolge materieller Armut sind einschneidender als aus gängigen Indikatoren ersichtlich: Da in unteren Schichten an Ausgaben für Grundbedarfe wenig gespart werden kann und mit steigendem materiellen Wohlstand allmählich Sättigungsgrenzen erreicht werden, wird das Ausmaß gesellschaftlicher Spaltung erst mit Analysen der Ausgaben für soziale Teilhabe augenfällig: Sie bleiben im Armutsbereich um etwa drei Fünftel hinter dem Gesamtdurchschnitt zurück, gegenüber dem Durchschnitt im Reichtumssegment zeigen sich für wesentliche Bedarfsarten Rückstände um drei Viertel bis fünf Sechstel. Bei derart gravierenden Einschränkungen kann von einem Mindestmaß an sozialer Teilhabe nicht ausgegangen werden. Damit wird auch das Ziel der Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche verletzt bzw. verfehlt.

2. Weitere Indikatoren weisen in die gleiche Richtung. Im Armutsbereich muss im Durchschnitt entspart werden, während bei Haushalten mit materiellem Reichtum trotz des hohen Konsumniveaus 30% des Einkommens für sonstige Ausgaben (Versicherungen etc.) und Vermögensbildung verbleiben. Die Diskrepanzen spiegeln sich auch in der Ausstattung mit Gebrauchsgütern. Sie klaffen zwischen einzelnen Schichten weit auseinander, obwohl aus den Ausgabenstrukturen der unteren Wohlstandsschichten der elterliche Wille erkennbar ist, den Kindern Perspektiven zu eröffnen.

3. Die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe hat den Lebensstandard der Betroffenen drastisch reduziert und zu zunehmender Verschuldung geführt.

4. Die aufgezeigten Teilhabedefizite gefährden Stabilität und Zukunftsfähigkeit einer „Wissensgesellschaft“ und letztlich das demokratische System. Die Diskrepanzen zwischen Armut und Prekarität auf der einen Seite und Teilhabe und Reichtum auf der anderen Seite verringern sich nicht quasi „automatisch“ bei guter gesamtwirtschaftlicher Lage – das haben die letzten Jahre gezeigt. Dementsprechend sollten gezielte sozialpolitische, aber auch arbeitsmarkt- und steuerpolitische Reformen konzipiert und umgesetzt werden. 

Wir danken Ihnen/ Euch für das Interesse und freuen uns über Feedback, Rückfragen und weitere Anregungen.

 

Ihr/ Euer Verbund soeb

 

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