soeb-Newsletter #11 (06.04.2017)

06.04.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem Newsletter des Forschungsverbunds Sozioökonomische Berichterstattung (soeb 3) möchten wir Sie/ Euch über die neu erschienenen Berichtskapitel informieren. Diese werden sukzessive im neuen "online first" Format auf der Seite des W. Bertelsmann Verlag veröffentlicht. Diese werden kostenlos als Open Access bereitgestellt (Link). Im Folgenden werden die Kernbotschaften der neuen Kapitel vorgestellt.

 

Kapitel 14: Unsichere Beschäftigung und Prekarität – im Lebensverlauf und im Haushalt (Goebel, Jan/Kottwitz, Anita)

In diesem Kapitel steht die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen individuellen Beschäftigungsverhältnissen mit prekärem Potenzial und materieller Teilhabe auf der Haushaltsebene im Mittelpunkt. Die Autor*innen Jan Goebel und Anita Kottwitz geben insbesondere Antworten darauf, ob ein Privathaushalt – als eine Instanz der Wohlfahrtsproduktion – Schutz vor „Armut“ oder „gefährdeter Teilhabe“ bieten kann, wenn sich ein Haushaltsmitglied in prekärer oder unsicherer Beschäftigung befindet.

Zentrales Ergebnis des Kapitels ist, dass sich vor allem zwei Typen von prekären Beschäftigungsverläufen identifizieren lassen. Zum einen gibt es Paarhaushalte, in denen nicht prekäre und prekäre Verläufe ohne weitere Auswirkung auf die Wohlfahrtslage des Haushalts zu beobachten sind. Zum anderen gibt es Haushalte mit prekären Beschäftigungsverläufen der Haushaltsmitglieder, die deren prekäre Lebenslage dauerhaft verfestigen. Auffällig ist, dass sich keine Verlaufstypen mit einer nennenswert abnehmenden oder zunehmenden Teilhabe herauskristallisieren. Insbesondere Personen mit Beschäftigungsverläufen, die durch Arbeitslosigkeits- und Nichterwerbstätigkeitsphasen sowie Beschäftigungsverhältnissen mit prekärem Potenzial geprägt sind, bleiben damit einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt.

Kapitel 15: Teilhabe und Grundsicherung – SGB II als Leistungssystem und Lebenslage (Müller/Dana, Wurdack/Anja, Lehweß-Litzmann, René/Grimm, Natalie/Seibert, Holger)

Die Analyse zeitlicher Muster und die Auswertung qualitativer Längsschnittdaten zeigen die Vielfalt individueller biografischer Muster von SGB-II-Leistungsbeziehenden und verdeutlichen die Heterogenität dieser Gruppe. Für einen Teil der Personen im Leistungssystem sind trotz verbesserter Arbeitsmarktlage im Zeitverlauf Verfestigungstendenzen festzustellen. Andere weisen vermehrte Statuswechsel und eine hohe Dynamik in ihren Erwerbsverläufen auf und nur 28 % der Zugangskohorte von 2007 kann den Leistungsbezug dauerhaft über eine ungeförderte und bedarfsdeckende Beschäftigung verlassen.

Bei Paaranalysen wurde festgestellt, dass die Konstellation des (männlichen) Familienernährers eine besondere Rolle im SGB-II-Leistungsbezug einnimmt. Fällt das Einkommen des Mannes weg, so reicht das Einkommen der Frau nicht zur Existenzsicherung des Haushaltes aus. Ein Austritt aus dem Leistungsbezug wird u. a. durch die Wiederbeschäftigung des Mannes möglich.

SGB-II-Leistungsbeziehende leiden unter einer Teilhabelücke, die sich, laut standardisierter Umfragedaten in den letzten Jahren etwas verkleinert zu haben scheint. Analysen qualitativer Längsschnittdaten zeigen allerdings, dass trotz dieses Trends der Großteil der Leistungsbeziehenden verschlechterte Lebensbedingungen, nach wie vor einen großen „Leidensdruck“ thematisieren und ihr Leben im Grundsicherungsbezug als soziale Degradierung erleben.

Kapitel 16: Wie das Rentensystem Erwerbsbiografien würdigt (Söhn, Janina/Mika, Tatjana)

Die Autorinnen kommen in ihren Analysen zu der Kernbotschaft, dass Lücken in den Erwerbsbiografien, insbesondere durch Arbeitslosigkeit und schwerwiegende chronische Erkrankungen, sich negativ auf die Höhe gesetzlicher Renten und somit auf die materielle Teilhabe der verrenteten Bevölkerung auswirken. Nur ein knappes Viertel aller Personen, die erstmalig eine Altersrente beziehen, weisen etwa 45 Jahre sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung aus. Bezieherinnen und Bezieher von Erwerbsminderungsrenten, die ein Fünftel der jährlichen Renteneintritte ausmachen, sind im Schnitt nur bis Anfang 50 erwerbstätig. Fast die Hälfte im Ergebnis ist selbst unter Berücksichtigung weiterer Einkommensquellen und der Haushaltsgröße armutsgefährdet und noch mehr geben an, sich die Zusatzzahlungen für Arzneimittel nicht leisten zu können. Gerade die Langzeitarbeitslosigkeit, die viele Erwerbsgeminderte vor ihrer Verrentung durchleben, unterstreicht die Notwendigkeit von mehr Gesundheitsprävention nicht nur in Betrieben, sondern auch in Phasen der Nicht-Erwerbstätigkeit. Zwar nehmen Erwerbsbiografien, die wegen langjähriger Hausfrauentätigkeit zu geringen Rentenansprüchen führen und die vor allem westdeutsche Frauen aufweisen, in den jüngeren Geburts- und Eintrittskohorten ab. Dennoch beziehen immer noch viele Rentnerinnen so niedrigen Renten, dass ohne die Unterstützung eines Partners ein Leben in Altersarmut droht.

Die Analysen zeigen, dass es sich lohnt, die gesamte Erwerbsbiografie in den Blick zu nehmen. Zwar ist die Phase der letzten zehn Jahre vor der Rente eine besonders kritische Episode, in der die Erwerbsteilhabe zunehmend gefährdet ist. Der längere biografische Rückblick weist aber auf einen viel früheren Beginn von Prozessen hin, die letztlich in einer nur geringen selbstständigen Absicherung im Alter und bei Erwerbsminderung enden.

Kapitel 17: Konsumentwicklung bis 2030 nach Haushaltstypen und Szenarien (Bieritz, Loreto/Drosdowski, Thomas/Stöver, Britta/Thobe, Ines/Wolter, Marc Ingo)

Die Arbeitnehmerhaushalte erhöhen aufgrund günstiger Lohnentwicklung ihren relativen Abstand zu Nichterwerbstätigenhaushalten, während die Selbstständigenhaushalte angesichts schwächer zunehmender Vermögens-und Gewinneinkommen etwas zurückfallen. Gleichzeitig zementieren sich die Ungleichheiten zwischen Ein-und Zweipersonenhaushalten, die aufgrund des demografischen Wandels an Bedeutung gewinnen, und Familienhaushalten. Die steigende Anzahl der Ruheständlerhaushalte beansprucht bis 2030 immer größere Anteile der gesamten Einnahmen und Ausgaben für sich und prägt damit die Konsumstruktur, die sich dadurch immer weiter hin zu Dienstleistungen verschiebt. Szenarienergebnisse zeigen insbesondere, dass eine ökologisch nachhaltigere Konsumweise Wachstum, Beschäftigung und die Teilhabemöglichkeiten verbessern kann. Außerdem verursacht eine Verteuerung der Nahrungsmittelpreise steigende Einkommens-und Konsumdisparitäten und wirkt zudem wachstumshemmend. Mieterhöhungen führen schließlich zu einem eingeschränkten Konsum soziokulturell teilhaberelevanter Güter und führen zu größeren Ungleichheiten zwischen Besitzern und Nichtbesitzern von Wohneigentum.

 

Wir danken Ihnen/ Euch für das Interesse und freuen uns über Feedback, Rückfragen und weitere Anregungen.

 

Ihr/ Euer Verbund soeb

 

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