Polarisierung der Teilhabechancen von Jugendlichen mit unterschiedlichen Schulabschlüssen

Abbildung: Verlaufstypen im historischen Wandel nach Schulabschluss und Schulabgangskohorte, Westdeutschland

Quelle: NEPS Startkohorte Erwachsene, doi:10.5157/NEPS:SC6:5.1.0, gewichtete Daten, eigene Berechnungen.

Wenn man Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss, also jene ohne Schulabschluss und mit Hauptschulabschluss, mit Jugendlichen mit mittlerem Abschluss vergleicht, dann sind die folgenden Entwicklungen seit den 1970er Jahren besonders auffällig: Die Verlaufstypen „erfolgreiche Arbeitsmarktintegration“ und „verzögerte Arbeitsmarktintegration“, die eher günstige Verläufe im Hinblick auf eine abgeschlossene Ausbildung und ihre anschließende Integration in den Arbeitsmarkt abbilden, nehmen über die drei Schulabgangskohorten ab. Dieser Rückgang betrifft zwar beide Bildungsgruppen, jedoch zeigt sich in der jüngsten Kohorte, dass die Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss häufiger eine „erfolgreiche Arbeitsmarktintegration“ als jene mit niedrigem bzw. ohne Schulabschluss aufweisen (33% im Vergleich zu 25%).

Deutliche Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen zeigen sich in Hinblick auf den Verlaufstypus der „Exklusion“. Diese Ausbildungs- und Erwerbsverläufe sind dadurch gekennzeichnet, dass überdurchschnittlich lange Zeiten in Ausbildung, die nicht abgeschlossen wird, mit Berufsvorbereitung, mit kurzfristigen Tätigkeiten und in Arbeitslosigkeit verbracht werden. Etwa 3% der Jugendlichen mit höchstens Hauptschulabschluss in der ältesten Kohorte haben einen solchen Verlauf. Bis zur jüngsten Kohorte steigt dieser Anteil auf 20% an, während dieser Verlaufstypus bei den Jugendlichen mit mittlerem Abschluss auch in der jüngsten Kohorte kaum eine Rolle spielt. Für Jugendliche ohne bzw. mit niedrigen Bildungsabschlüssen bedeutet das, dass sie sowohl im Vergleich zu Jugendlichen mit mittleren Schulabschlüssen als auch im Vergleich zu früheren Kohorten, heute deutlich häufiger Verläufe haben, die mit einem Ausschluss vom Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einhergehen. Insgesamt lässt sich damit eine Tendenz der Polarisierung der Teilhabechancen von Jugendlichen mit unterschiedlichen Schulabschlüssen feststellen.

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Kontakt:

Meike Baas (meike.baas[at]sofi.uni-goettingen.de)

Veronika Philipps (veronika.philipps[at]sofi.uni-goettingen.de)Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V.,

soeb 3-Arbeitspaket 09: ‘Nicht für die Schule – für den Arbeitsmarkt lernen wir.‘ Aber für welchen?(Link)

 

 

 

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